Mehr als nur Trinklieder: Bier in der Literatur

Seit den Anfängen der Literatur (Gilgamesch-Epos, 3. Jahrtausend v. Chr.) hat das Bier seinen Platz in den geistigen Werken der Menschheit. Neben derben Trinkliedern, wird das Lebenselexier Bier auch in Epen und von großen Autoren gerühmt. In Anlehnung an die Bezeichnung von 100 Litern Bier als Hektoliter ist Hektoliteratur eine spassige Bezeichnung für bierige Literatur. Hier ist nur ein Ausschnitt davon aufgeführt.


In den Sagen der Kelten und Germanen nimmt das Bier einen herausgehobenen Platz ein.

Trinkregel aus den Lebenregeln Odins in der Edda

Man halt´an den Meth sich, halt aber Maß;
So schwatzt man und schweigt wie es nötig.

Ein Loblied auf das Bier singt die Walküre, als sie zu Sigurd, dem Helden, spricht

Bier bring ich dir, du Baum in der Schlacht !
Mit Kraft gemischt und Mannesruhm.
Voll der Lieder und lindernden Sprüche,
guten Zaubers voll und Wonnerunen.

Selbst im Angesicht des Todes freute sich der nordische König Regnar Lodbrok auf sein Bier im Jenseits

Wohlan, es endet sich mein Lied.
Die Todesgöttinen,
Die Wodan mir aus meinem Haus
gesendet, rufen mir.
Dort sitz ich froh auf hohem Sitz
und dtrinke mit den Asen Bier.
Des Lebens Stunden sind entflohen,
mit Lachen sterb ich hier.

In dem finnischen Nationalepos Kalewala spielt das Bier eine überragende Rolle: Ihm und seiner Zubereitung ist ein großer Teil gewidmet. Ausführlich wird dort die Gärung beschrieben

Hitzig ward dasBier im Fasse,
heftig fluchte das Getränke,
in den festen Eichenfässern
hinter kupferreichen Zapfen:
Schafft ihr nicht einen Sänger,
der gehörig singen könnte,
schöne Lieder tönen ließe,
schlüge ich durch alle Reifen,
würd ich den Boden sprengen!

 

Gutem Lager mass man schon damals poetisch besondere Bedeutung bei

Fertig war das Bier geworden,
war der Männer Bier bereitet,
ward das rote Bier gelagert,
ward das Leichtbier fortgeführt,
in der Erde nun zu schlafen,
in dem festen Felsenkeller,
in den starken Eichenfässern
hinter kupferreichen zapfen.

Auch das Trinken kam in der Kalewala aus Finnlandnicht zu kurz

Tefflich hat die gute Wirtin,
hat die Hausfrau voller Umsicht
dieses Bier für uns bereitet,
ließ den süßen Trunk sie fließen,
aus dem süß gewürzten Malze.
Leichtbier in den keller rauschte:
Käm´doch einer, mich zu trinken,
einer, bald mich auszuschlürfen,
dass mit Ehren man mich rühme,
mich nach rechter Art besinge!



Übersetzter Biersegen aus den Rituale Romanum (1614)

Herr segne dieses Bier, das durch Deine Gnade aus dem Kern des Getreides hervorgegangen ist,
dass es dem Menschengeschlecht ein Heilmittel sei.
Gib durch die Anfrufung Deines Hochheiligen Namens, dass jedermann,
der davon trinkt Gesundheit des Leibes und Schutz für seine Seele erlange, durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Gambrinus-Vers aus Aventins Bairischer Chronik (1580)

Gambrinus ward ich im Leben genannt,
ein König in Flandern und Brabant.
AusGersten hab ich Malz gemacht
und das Bierbrauen daraus erdacht.
D´rum können die Brauer mit Wahrheit sagen,
dass sie einen König zum Meister haben!

Ein Trinklied von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Bestaubt sind unsere Bücher;
der Bierkrug macht uns klüger.
Das Bier schafft uns Genuss,
die Bücher nur Verdruss!

Theodor Körner (1791-1813)

Kommt, Brüder, trinket froh mit mir!
Seht, wie die Becher schäumen!
Bei vollern Bechern wollen wir
ein Stündchen schön verträumen!

Wilhelm Hauff (1802-1827) schrieb neben Märchen auch dieses Trinklied

Wenn die Becher fröhlich kreisen

Froh und frei, wie´s unsere Alten
einst zu ihrer Zeit gehalten,
leben wir, so lang es gilt.
Freuen uns mit leerer Tasche,
wenn nur aus der vollen Flasche
klar der braune Nektar quillt.

Ode des Nobelpreisträgers für Literatur 1910 Paul Heyse (1830-1914) an das Bockbier

Sei mir gegrüßt, du Held im Schaumgelock,
Streitbarer Männer Sieger, edler Bock!
Dich bringt der Frühling mit als Bundsgenossen,
Du thaust den letzten Märzenschnee hinweg.
Der Sonnenschein ist mir ins Blut geflossen,
und Veilchen sprießen auf an deinem Weg.
bescheiden ist dein Ruhm; doch unverdorssen
wirkst du das Gute. Wenn im Winter träg
der Geist umnebelt, dumpf ide Sinne ware,
du glühst sie auf zum Großen, Schönen, Wahrene
Und nicht das Zwielicht dampfdurchwölker Schenken
den mittag liebst du und der Gärten Frische.
hier findet sich auf brüderlichen Bänken Hoch und Gering in traulichem Gemische;
Den Knechten nah, die seine Pferde lenken,
der Staatenlenker vom Ministerrische,
Pedell, Professor, Famulus, Student,
du spülst hinweg die Schranke, die sie trennt.

Eugen Roth zum Münchner Oktoberfest

Wo ungeheure Blechmusiken
den Lärm durch Rauch und Bierdunst schicken,
und wo die Menge brausend schwillt,
vom Bier zum Teil schon ganz erfüllt,
teils erst vom Wunsch, erfüllt zu werden,
doch durchweg selig schon auf Erden.
Es laufen Kellnerinnen emsig
durch alle Reih´n, wo wild und bremsig
die Menge ohne Unterlaß
sich heiser schreit nach einer Maß.
Zwölf Krüge an der Brüsten säugend
wirkt solche Wunschmaid überzeugend.

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