Starkbier-Zeit in Bayern

In Bayern gehen die Uhren etwas anders. Muss man sich außerhalb des Freistaates mit 4 Jahreszeiten begnügen, so ist man in Bayern erst mit sechs zufrieden: zu Frühling, Sommer, Herbst und Winter kommen das Oktoberfest (Wiesn) und eben die Starkbier-Zeit hinzu.

 

Der Bierhügel von München

Ältestes bayerisches Starkbier ist der Salvator. Der in der Fastenzeit um Josephi (19. März) feierlich begangene Salvator-Anstich auf dem Münchner Nockherberg zieht Jahr für Jahr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich und eröffnet die Starkbierzeit, die zwei Wochen dauert. Dabei hat das heute als Fastenstarkbier gepriesene Getränk ursprünglich mit der Fastenzeit gar nichts zu tun. Es war ein Festbier, das die Paulanermönche in den Tagen um den Namenstag ihres Ordensstifters ausschenkten.

Die Paulaner-Mönche kamen 1627 aus Italien nach München und begannen wenige Jahre später mit der Bierproduktion. Wann genau diese Bierproduktion aufgenommen wurde (die genannten Zahlen reichen von 1630 über 1651 bis 1670) ist nicht mehr feststellbar, denn die Klöster bedurften zur Herstellung ihres "Haustrunks" keiner Braugenehmigung. Es war ihnen allerdings verboten, dieses Bier an Personen abzugeben, die nicht zum Kloster gehörten (woran sie sich - wie eine Vielzahl von Beschwerdebriefen belegt - allerdings nicht hielten). Erst 1780 erlaubte Kurfürst Karl-Theodor den Paulanern den unbeschränkten Bierausschank - und legalisierte damit die bisherige Praxis.

Belegt ist, dass die Paulaner im Jahr 1751 offiziell die Erlaubnis erhielten, zum Namenstag ihres "Lieben Vaters" und Patrons , des heiligen Franz von Paula, (2. April) ein, nach einem für einen "Doppeltrunk" überlieferten Rezept des Klosters Benediktbeuren gebrautes, malzreiches "St. Vaterbier" oder "Heilig-Vater-Bier", wie es in anderen Quellen heißt, herzustellen und auszuschenken.



Salvator als erfolgreiche Biermarke bis heute

Bis 1860 erfolgte der Ausschank jährlich im Neudecker Garten, einer Gartenwirtschaft am Berghang neben dem Kloster. Der von Jahr zu Jahr zunehmende Andrang war jedoch den Brüdern Schmederer, den Erben und Nachfolgern Zacherls, Mitte der 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts Anlaß, auf dem Hochplateau nahe dem Kloster einen riesigen Hallenbau zu errichten. In diese "Salvatorhalle" pilgerten die Münchener fast 30 Jahre lang um Josephi, ehe die Paulaner- und Salvatorbrauerei sie durch einen umfassenden Ergänzungsbau im Jahr 1898/1899 zum Salvatorkeller erweiterte.

Den Erfolg des Salvator wollten andere Brauereien natürlich auch für sich nutzen. 1890 kam es zum Streit zwischen den Brüdern Schmederer und anderen Münchener Brauereien, die ihr dunkles Starkbier ebenfalls unter dem Namen "Salvator" auszuschenken begannen. Zwar gab es zunächst keine gesetzliche Möglichkeit, den Namen "Salvator" gegen Missbrauch zu schützen. Doch diese rechtliche Grundlage hierfür bot wenig später das Gesetz zum Schutze der Warenzeichnung vom 12.1.1894. Nach langwierigen Prozessen trug das kaiserliche Patentamt 1896 das Wort "Salvator" in seine Zeichenrolle ein, womit seine Verwendung allen anderen Brauereien untersagt war.

Dies war der Beginn der "-ator" - Welle vor dem ersten Weltkrieg: wer am Starkbierboom in der Fastenzeit teilhaben wollte, der schuf ein Starkbier, das er unter einem Phantasienamen ausschenkte. Ob Animator, Triumphator, Bayerator, Aktionator, Bambergator, Operator, Maximator, u.s.w., allen Fastenstarkbieren ist seither gemein, dass sie auf "-ator" enden. Auf etwa 200 wird die Zahl der so geschützten Namen geschätzt.

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Kommentar von Achim Schupeta | 05.03.2014

Die Frage mag etwas unsinnig klingen, weil ich aber einen Besuch des nächsten Salvatoranstiches mit Kindern plane, ist sie durchaus ernst gemeint:
Gibt es eigentlich auch alkoholfreies Fastenstarkbier?

Kommentar von Michael | 08.03.2014

Technisch wäre alkoholfreies Starkbier möglich. Gesehen habe ich es noch nicht. Da es eine zeitlich beschränkt angeboten Spezialität ist und sein Reiz im hohen Alkoholgehalt liegt, glaube ich nicht dass es das gibt. Auf der Seite von Paulanter habe ich es nicht gesehen http://www.paulaner-brauerei.de/538.0.html.