Bier im antiken Ägypten, Griechenland und Rom

Bei den ersten Hochkulturen (Ägypten, Griechenland und Rom) war Bier bekannt und verbreitet. Denoch hatte Bier einen unterschiedlichen Stellenwert. Insbesondere weil die Verbreitung des Biers vom Nahen Osten in den gesamten Mittelmeerraum zum intensiven Aufeinandertreffen mit dem zweiten Kultgetränk der Menschheit führte - dem Wein. Es hat sich in der Folge ein friedliches Nebeneinander entwickelt, dass überwiegend von den klimatischen Anbaumöglichkeiten bestimmt wurde.


Bier in Ägypten

tl_files/bilder/geschichte/aegypten-bier-herstellung.jpgWie in Mesopotamien war auch im alten Ägypten das Bier, neben Brot, das Grundnahrungsmittel schlechthin. Auch in Ägypten ist der Brauprozess durch überlieferte Bilder erhalten: Für die Herstellung von Bier wurden zunächst gekeimte Gerstenkörner zerstampft und dann auf einem Reibstein vermahlen. Zusammen mit ungekeimtem Weizenmehl bereitete man daraus einen Teig, der in erhitzten Tonformen gebacken wurde. Zur Herstellung von ca. 2,5 Litern Bier benötigte man ein angebackenes Brot, das zerböckelt und mit vergorenem Dattelmus vermengt wurde. Durch die zuckerhaltigen Früchte setzte man nach Zugabe von Wasser die Gärung in Gang. Abschließend presste man die Masse durch ein Korbsieb und ließ sie in einem Bottich zu Ende gären. Gekocht wurde das Bier- im Gegensatz zu Mesopotamien - allerdings nicht (Kaltbierverfahren). Zudem wurde das Bier in Ägypten mit Anis, Safran und Honig vermischt. Dann wurde das fertige Getränk in Vorratsgefäße umgefüllt, die innen mit einer Lehmmasse ausgestrichen waren. Die Erfahrung hatte nämlich gelehrt, dass Lehm das sowieso nur kurze Zeit haltbare Bier rascher abklärt. Verschlossen wurden die Gefäße mit einem Klumpen frischen Ton.

Wie auch die Sumerer erhielten die Einwohner von Ägypten ihr Bier durch eine Gottheit, diesmal Osiris. Dieser war auch der Gott der Unterwelt, so gab man den Verstorbenen Brot und Bier mit auf den Weg in die Unterwelt. Gefunden wurden auch kleine Bierbrauerfiguren oder kornmahlende Dienerinnen, die den Bestatteten versorgen sollten. Den Lebenden konnte das Bier im Übermaß gefährlich werden, so warnte ein ägyptischer Vater um 1.000 v.Chr. seinen Sohn:

Versitz mir nicht im Bierhaus die Zeit,
leicht fällst du zu Boden
und brichst dir die Glieder,
und keiner reicht dir die Hand zur Hilfe.


Die Bedeutung des Bier zeigt sich daran, dass die alten Ägypter hatten ein eigenes Zeichen für Bier in ihrer Hieroglyphen-Schrift besaßen. Die Hieroglyphe für "Mahlzeit" setzte sich aus den Symbolen für "Bier" und "Brot" zusammen. Zudem wurde Bier auch zur Heilung Kranker verwendet. "Bierschlamm", der im Wesentlichen dem Treber entspricht wurde als Heilmittel verabreicht. Die Ärzte der Pharaonen verwendeten Heilmittel, die Bier enthielten, u. a. gegen Husten, Schmerzen und Verstopfungen. Auch äußerlich wurde Bier eingenommen, den das Bad im Bier soll eine glatte und reine Haut verleihen. Vielleicht erklärt sich dadurch die Schönheit der Nofretete und Kleopatra.



Bier bei Römern und Griechen

Im Gegensatz zu den ersten Zivilisationen der Menschheit, Ägypten und Mesopotamien, konnte man in Griechenland und Italien Weintrauben anbauen. So dass die alten Griechen und Römer den Wein bevorzugten. Bier galt bei ihnen als Getränk armer Leute, die sich keinen Wein leisten konnten, oder wilder Barbaren. Denoch blieb das Bier im Norden des Römischen Reichs das Getränk schlechthin. Zur Herstellung von Bier entstanden damals die ersten "Großbrauereien" und es existierte ein florierender Bierhandel. Dies bezeugen z. B. Funde aus Regensburg und Kulmbach. Trotzdem haben die Römer ihre Spuren beim deutschen Bier hinterlassen, denn der Namen leitet sich vom lateinischen "bibere" (= trinken) ab.

Wenn Bier als Getränk keine große Bedeutung besaß, so war es als Heilmittel auch in Griechenland und Rom bekannt und genutzt. Der bekannte griechische Arzt Hippokrates (der mit dem Eid) beschrieb einige Heilwirkungen beim Einsatz von Bier:

... am Besten bei akuten Beschwerden trinken,
denn es ist ein linderndes Mittel,
gleichmäßig und ausgleichend,
angenehm einzunehmen,
es enthält genügend Feuchtigkeit,
lindert den Durst, erleichert die Ausscheidung,
stört die Verdauung nicht und bildet keine Winde

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Kommentar von Krassus Longus Dickus | 06.06.2013

Ich finde den Text echt gut!