So hat der Mensch Bier erfunden

Nicht nur das Bier mehr ist als nur ein Getränk , ist es doch im Gegensatz zum Wein ein Lebensmittel. Gab es schon vor der Existenz der Menschen wilde Früchte und Beeren, die am Strauch oder als Fallobst in der prallen Sonne gärten. Wilde Hefen erzeugten dabei Alkohol, den Tiere unwissend aber sicherlich genussvoll verzehrten. Demgegenüber ist Herstellung und Konsum von Bier untrennbar mit der Zivilisation, gleichsam Sesshaftwerdung, der Menschheit vor über 6.000 Jahren verbunden.

Nachdem der Mensch wildes Getreide anbaute und erntete, hat er es zur Bekömmlichkeit weiterverarbeitet. Zermahlen und dann mit Wasser verrührt wurde es als Brei gegessen. Irgendwann vor ein paar tausend Jahren (die ältesten gefundenen Backöfen datieren um 5900 v. Chr.) wurde dieser Brei etwas zu lange in der heißen Sonne des Nahen Ostens stehen gelassen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass dies mehrfach an verschiedenen Orten geschah. Wilde Hefe verursachte eine Gärung, dabei entschied die Menge des vorher zugefügten Wassers ob nun Ur-Bier (Alkohol) oder Ur-Brot (Fladen) entstand. So ist die Geschichte der "Erfindung" von Bier und Brot als Folge des Ackerbaus einer der Grundsteine der modernen Menschheit.


Bier im antiken Mesopotamien

Statue eines Bierbrauers aus MesopotamienDie zunehmende Bedeutung von Bier ist untrennbar mit den ersten Hochkulturen der Welt verbunden. Mesopotamien (vom Griechischen mesopotamia: Land zwischen den Strömen), ist eines der frühesten Zentrent der menschlichen Zivilisation und liegt im Gebiet des heutigen Irak zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris. In der vorchristlichen Zeit umfasste es die historischen Landschaften Assyrien und Babylonien. Im 8. Jahrtausend existierten dort bereits vollständig ausgebildete Ackerbau- und Viehzuchtkulturen. Ab ca. 6000 v. Chr. sind größere Ansiedlungen nachgewiesen und im vierten Jahrtausend v. Chr. entstanden die ersten Städte.

Die Erfindung der (Keil-)Schrift durch die Sumerer im Zweistromland (ca. 2.700 v. Chr.) liefert uns erstmals in Ton gebrannte Dokumente über die bereits hohe Bedeutung des Biers als Alltags- und Kultgetränk in dieser Zeit. So war das Bier nach Ansicht der Sumerer eine Erfindung der Göttin Ninkasi und den Menschen überlassen, wofür die Götter regelmäßig große Bierspenden erhielten. Im Gilgamesch-Epos, ältestes bekanntes Werk der Weltliteratur aus dem dritten Jahrtausend v. Chr., heißt es von Enkidu, einem zottigen, ungebärdigen Wesen, das in der Steppe lebte, mit den Gazellen Gras fraß und mit ihnen umherzog:

Der wilde Enkidu trank Bier;
er trank davon gar an die sieben Mal.
Sein Geist ward gelöst,
und er ließ sich mit lauter Stimme vernehmen.
Wohlbehagen erfüllte seinen Körper
und sein Anlitz erstrahlte.
Er wusch den zottigen Leib sich mit Wasser,
salbte sich den Leib mit Öl
und ward ein Mensch.



Überliefert sind auch Abrechnungen über Kornlieferungen an Brauereien, Lohnlisten der Brauer und Bier-Lieferungen an Priester und Könige. Seine überragende Bedeutung läßt sich daran erkennen, dass Bier in Mesopotamien als Lohn verwendet wurde. Zudem waren Brauer und Köche vom Kriegsdienst ausgenommen. Die erste Gesetzsammlung der Geschichte, der Codex Hammurabi (1770 v. Chr.), setzte Preisobergrenzen für Bier fest und bestimmte den Mindestgehalt der Stammwürze.

Wenn ein Bierweib den Preis für Bier nicht in Korn nimmt,
sondern in Silber, wegen des höheren Gewichts,
oder wenn sie den Wert des Bieres zurücksetzt gegen den Wert des Korns,
dann soll dieses Weib bestraft werden und man soll sie ertränken.


Für die Herstellung von sumerischem Bier wurde Gerste und Emmer befeuchtet und mit einer dünnen Erdschicht bedeckt, um die Feuchtigkeit zu erhalten und die Keimung voranzueiben. So entstand Grünmalz, das getrocknet und zermahlne, mit Wasser zu einr Maische angesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ein dicker, gesäuerter Gerste- oder Emmerbrei bereitet, den man bei niedriger Hitze zu einem bierbrot angebacken hat. Das zerbröckelte Bierbrot und die Maische wurden miteinander verkocht (Warmbierverfahren) und die Masse anschließend stehengelassen. Die in der Luft vorhandene wilde Hefe sortgte für den Abbau der zuckerhaltigen Maische und er gesäuerten Brotbestandteile zu Alkohol. Nach dem Würzen mit Honig konnte das Bier genossen werden: nicht gerade klar, ohne weiße Schaumkrone, ohne den begehrten fein - herben Geschmack (es wurde ja noch kein Hopfen verwendet) und auch nicht kühl - sondern trüb, lauwarm und süß. Wahrscheinlich war es ein ausgesprochen sättigendes und nahrhaftes Gebräu mit nur geringem Alkoholgehalt gehandelt haben - eben flüssiges Brot.

Getrunken wurde das Bier aus Tonkrügen mit langen metallenen Saugrohren, die am unteren Ende ein Sieb hatten. Dies diente dazu keine Malzkörner und zerbröckeltes Brot in den Mund zu bekommen. Nach den Sumerern hatten im zweiten Jahrtausend v. Chr. die Babylonier die Herrschaft in Mesopotamien inne. Sie führten die Braukunst erfolgreich weiter, so dass es in Babylonien 70 verschiedene Sorten von Bier gab, aus Gerste, aus Emmer oder beide gemischt. So gab es dunkles Starkbier, Dünnbier, Sauerbier, Süßbier und Lagerbier, das nach Ägypten exportiert wurde.

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