Enge Beziehung: Bier & Bayern

 

Bayern gilt als Bierland schlechthin, doch begann die Vormacht des Biers erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Denn bis dahin war Bier ein Handelsgut der Hanse an Nordsee und Ostsee. Somit war Bier war bis zum 16. Jahrhundert eine vorrangig norddeutsche Angelegenheit. Hamburg allein hatte 600 Brauereien. Das Brauen und mit Bier brachte den Bürgen der Hansestädte einen Teil ihres Reichtums ein. Der Stadtbürger in Bayern, falls er ein Braurecht besaß, war weit weniger erfolgreich. Er kochte seinen Sud meistens für den Hausgebrauch und keineswegs so rein, wie es dann das Reinheitsgebot verlangte. Kräuter und Wurzeln, Rosmarin, Eichenrind, Honig oder auch Ochsengalle sollten das Bier besser und haltbarer machen. Der bayerische Hof in München bezog seine Hauslieferung bis zur Gründung des Hofbräuhauses in München aus Brauereien der Hansestadt Einbeck, wo man ausschließlich Hopfen einbraute. Im norddeutschen Ausland, in Mecklenburg, in Pommern und auch Sachsen lagen die bedeutendsten Hopfenanbaugebiete des späten Mittelalters.


Die Bayern tranken bayerischen Wein

Seit der römischen Besetzung bis zum Dreißigjährigen Krieg baute man in Bayern vor allem Wein an. Noch im 18. Jahrhundert konnte Staatskanzler von Kreittmayer spotten, Bayern sei ein glückliches Land, weil hier der Essig an den Weinhängen wächst. Die Umwandlung des Weinlandes in ein Land, das berühmt für sein Bier wurde, brachte vornehmlich steuer- und ordnungspolitische Vorteile. Herzog Maximilian I. von Bayern stellte bereits fest, dass er mit den Umsätzen seines Hofbräus die Kosten des Dreißigjährigen Krieges fast finanzieren konnte. Die Absicht, den hergebrachten Glauben in dem Kernland der Katholischen Liga zu festigen, verstärkte die bayerische Neigung zum Bier samt seiner Tradition klösterlicher Brauereien. Seitdem hat sich auch das Angebot an Bier und der Bestand der Brauereien verändert, trotzdem definiert sich Bayern -und seine Bewohner- heute noch u. a. über die Liebe zum Bier. So gehört das Hofbräuhaus in München zum bayerischen Finanzministerium und die Brauerei Weihenstephan zum Wissenschaftsministerium.

 

Macht Bier Untertanen leichter regierbar?

Bier macht gemütvoll und ruhig mögen die Wittelsbacher-Herrscher von Bayern erkannt haben, also macht es unsere Untertanen leichter regierbar. Also unterstützten sie mit vielen Nachfolgeverordnungen des Reinheitsgebots die gerade gefundene untergärige Brauweise. Dass das dunkle süße Getränk, das dabei herauskam, noch dazu nahrhafter als der Wein war, konnte dem Wiederaufbau des druch Krieg und Pest heruntergekommenen Landes und der Kräftigung der ausgehungerten Untertanen nur nützen. Noch heute liegt der geschätzte bayerische Bierkonsum mit 135 bis 140 Litern pro Kopf und Jahr deutlich höher als der gesamtdeutsche Verbrauch mit 107 Litern.



Biersieden nur in kälterer Jahreszeit

Damit die untergärige Brauweise eingehalten wurde, erlaubte ein herzoglicher Erlass von 1553 das Biersieden nur in der kälteren Jahreszeit zwischen Michaeli, dem 29. September, und Georgi, dem 23. April. Das Sommerbier musste wegen der längeren Haltbarkeit mehr Hopfen als sonst üblich enthalten. Kurfürstliche Verordnungen ermutigten zu dessen Anbau und Kultivierung, so eine Anweisung Ferdinand Marias von 1657:

"Dieweil dieses Landes Gelegenheit nach das Bierbräuen sehr in Schwang, dazu eine ziemliche Nothdurft Hopfens vonnöthen, so guten Teils mit Unkosten und Mühe aus andern Orten gebracht werden muss: so befehlen wir und wollen, dass unsere Beamte sonderlich an den Orten, da man Hopfenstangen ohne Nachteil von Hölzern und Wäldern haben mag, ihre amtbefohlenen Unterhanen mit allem Ernst dahin halten, und anweisen, dass ein jeder, so hiezu gelegenen Gründe hat, um des gemeinen und selbst eigenen Hopfens willen an unschädlichen Enden Hopfen stecke, lege und anstelle ..."

 

Bairischer Hopfen gleich gut wie böhmischer

Solange jeder Brauer Selbstversorgung mit Hopfen betrieb und Klima keine Beachtung fanden und sich die edleren Gewächse mit wildwachsendem hopfen mischten, konnte von einer Hopfenkultur keine Rede sein. Bis ins 19. Jahrhundert war der bayerische Brauer überzeugt allein der böhmische Hopfen aus Saaz könne die Qualität seines Bieres garantieren. Hopfenpflanzer Graf Anton von Toerring bemühte die neuesten Erkenntnisse der Chemie, um festzustellen, "dass die allein wirkende, fette, dichte, gumm-harzichte, und salzichte Bestandtheile des baierischen Hopfen dem Engelländischen, oder Böhmischen ganz ähnlich seynd ... O was ein große Summe Geldes könnte nicht dem lieben Vatterland ersparet werden!"

 

1842 erster Eiskeller für Natureis in MÜnchen

Gabriel von Sedlmayr aus München führte Thermometer und Saccharometer beim Bier brauen ein, deren Nutzen er in England studiert hatte. 1842 gelang es ihm, einen Eiskeller für Natureis zu isolieren. Kurz darauf konnte man mit Carl von Lindes Kältemaschine künstliches Eis herstellen. Die Beschränkung der Sudzeiten konnte wegfallen. Der Bierausstoß der Brauereien verdoppelte sich. Die Menge machte wett, dass man für das moderne Bier weniger Hopfen, weil weniger konservierende Gerbstoffe brauchte.

 

Eines der führenden Länder beim Bier brauen

Anfang 2012 wird in 632 bayerischen Brauereien Bier hergestellt. Dabei sind die vielen privaten Hausbrauer nicht mitgezählt. Von den ca. 1.3000 Braustätten in der Bundesrepublik steht somit fast die Hälfte im südlichsten Bundesland. Der Regierungsbezirk Oberfranken hat mit 200 Brauanlagen auf 7.200 Quadratkilometern die größte Brauereidichte der Welt. Die Europäische Union hat 2001 "Bayerisches Bier" als geografische Angabe geschützt. Somit darf diesen Titel nur nach dem Bayerischen Reinheitsgebot und im Freistaat gebrautes Bier tragen. 2011 wurden 22,1 Millionen Hektoliter gebraut, was gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 2,2 Prozent ist. Ein Großteil der Produktion wird in das restliche Bundesgebiet exportiert und auch in die Europäische Union, insbesondere Italien.

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