Die Industrialisierung von Bier und Brauerei

Die Industrialisierung führte ab 1835 in Deutschland zu einer drastischen Steigerung der hergestellten Güter und veränderte die Gesellschaft wie nie zuvor. Die Verwissenschaftlichung und Qualitätssicherung wirkten sich auch auf das Brauwesen und die Herstellung von Bier aus. Hinzu kam die schnelle Entstehung von Großstädten mit ihren durstigen Fabrikarbeitern, die Bier massenweise nachfragten. In Österreich entwickelte der Bierbrauer Balling das Saccharometer zur Bestimmung der Stammwürze und 1854 gelang es dem französischen Chemiker Louis Pasteur die Gärung von Alkohol zu erklären.

Bier-Revolution durch Kältetechnik

Um das Bier besser über den Sommer zu bringen und endlich auch das ganze Jahr hindurch untergärige Biere anbieten zu können, mussten sie das Problem der Kühlung in den Griff bekommen. Zwar stellte 1860 eine Brauerei in Hannover zum ersten Mal eine Eiskühl-Anlage auf, doch bestand die Kühlung noch aus natürlichem Wintereis. Dies ließ die Münchner Bierbrauer-Familie Sedlmayr nicht ruhen - sie wollte eine komfortablere Kältemaschine und gab Carl Linde ausreichend Geld, um ein solches Gerät zu entwickeln.



Mit Ammoniak und Kompression wurde die Kältezufuhr geregelt. 1873 präsentierte der innovative Erfinder seinen ersten Kühl-Apparat. Ein lang ersehnter Wunsch der Brauer war damit in Erfüllung gegangen. Lindes Methode garantierte Temperaturen zwischen 4 und 9 Grad Celsius bei der Vergärung - und die sind für die Produktion von untergärigem Bier erforderlich. Doch der Erfindergeist von Linde war längst noch nicht ausgeschöpft: Als hätte sich der Sedlmayr-Freund Sorgen um die Bedürfnisse der Biertrinker gemacht, entwickelte er aus der "bierigen" Kältemaschine ein komfortables Gerät, das die Gerstensaft-Liebhaber in Verzücken brachte. Mit der Weiterentwicklung "Kühl-Schrank" konnte das Bier jetzt kühl gelagert werden und stand. jederzeit zum Genuss bereit.

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