Bier-Brauerzunft im Mittelalter

Im Mittelalter in Europa wurden die wesentlichen Grundlagen für das bis heute existierende Brauwesen und Brauereien gelegt. Andererseits wirken heute einige der damaligen Praktiken und Inhaltsstoffe im Bier fremd und überraschend. Das Reinheitsgebot von 1516 gewährleistete die Ausübung eines geachteten handwerklichen Berufs auf einer einheitlichen Grundlage.

Bereits 1156 bestimmte Kaiser Friedrich I. Barbarossa in einem Kaiserselekt für die Stadt Augsburg, dass ein Wirt, der schlechtes Bier braut oder schlecht einschenkt schwer bestraft werden muss. Bei Verstößen hat er fünf Gulden zu zahlen und beim dritten Verstoss wird dem Brauer das Recht zur Herstellung von Bier entzogen. Der vielfache Wegbereiter der Reformation und des Neudeutschen Martin Luther sagte schon: Wer kein Bier hat, der auch nichts zu trinken.



Bier brauen in den Städten wurde durch Zünfte geregelt

Mit dem Aufblühen der Städte entwickelte sich neben den Klosterbrauereien auch auf weltlicher Ebene das Braugewerbe zu einem angesehenen Wirtschaftszweig. Erster und ältester Brauhandelsplatz großen Stils war Bremen, das bereits um 1300 große Mengen Exportbier nach Holland, Flandern, England und Skandinavien lieferte. Hamburg galt als das "Brauhaus der Hanse". Die Hafenstadt zählte im 16. Jahrhundert 600 Brauereien, in denen die Hälfte aller Gewerbetreibenden tätig war. Die Brauer waren damals häufig die wichtigste Finanzquelle der städtischen Wirtschaft.

Die Voraussetzungen für die Aufnahme in das Brauhandwerk waren im 15. und 16. Jahrhundert außergewöhnlich hoch gesteckt : Hierzu gehörte nämlich nicht allein wie in den anderen Handwerken der Nachweis der ehelichen Geburt und der Besitz des Bürgerrechts. Aufgrund des kapitalintensiven Charakters des Brauhandwerkes verliehen z.B. die bayerischen Herzöge, die auch über den Braubann verfügten, das Recht, ein Brauhaus zu errichten und zu führen, nur an einflußreiche und wohlhabende Bürger, die Grundstücksbesitzer waren.

Diese herrschaftlich privilegierte Gruppe von Brauherren, die die Brauanlagen im Erbgange besaß, betrieb das Brauen in der Regel nicht selbst, sondern bekleidete Ämter in der Stadt. Die Brauherren beschäftigen in ihren Brauereien zumeist Lohnknechte, Gesellen und Braumeister, von denen viele das subjektive Braurecht besaßen. Aber auch innerhalb dieser nur im Handwerk tätigen Mitglieder des Gewerbes zur Herstellung von Bier vollzog sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Herausbildung eines privilegierten Personenkreises, desjenigen der Braumeister. Diese schirmten ihren Stand streng ab und setzten erschwerte Eintrittsbedingungen durch.

Die strikte Befolgung der Bestimmungen des Reinheitsgebotes ist wohl nicht zuletzt auf das ausgeprägte Standes- und Selbstbewußtsein dieses Zweiges im Handwerk zurückzuführen. Wo es nicht - wie in Bayern - durch die Landesherren verliehene Privilegien gab, haben die strengen Bestimmungen der Zunft und das Selbstverständnis ihrer Mitglieder dazu beigetragen, daß die jeweiligen Brauverordnungen strikt befolgt worden sind.

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