Die Vielfalt beim Weißbier

Bayern ist mit weitem Abstand das führende Bundesland für Weizenbier: Mit über 90% Marktanteil ist die Bedeutung von Weißbier aus Bayern unerreicht. Weizenbier, war Anfang der 60-er Jahre nur helles Kristallweizen, d.h. ein klares, helles Weizenbier ohne die heute so beliebte Hefetrübung. Der hohe Kohlensäuregehalt verleiht diesem Bier, serviert in den charakteristischen hohen und schlanken Gläsern, ein Aussehen, das aufgrund der zahlreichen aufsteigenden Kohlensäureperlen an Sekt erinnert, weshalb das Kristallweizen häufig auch als "Champagnerweizen" bezeichnet wird. Heute wird Weizenbier größtenteils als "Hefeweizen" nachgefragt, hell oder dunkel. Die Hefe steht in den Augen der Konsumenten für eine besondere Bekömmlichkeit des Bieres, seine Trübung für Naturbelassenheit, die - wie bei vielen Nahrungsmitteln - besondere Wertschätzung erfährt.

Die Leichtbierwelle hat natürlich auch vor den Weizenbieren nicht halt gemacht. Die gegenüber einem herkömmlichen Weizenbier um etwa 40% an Alkohol und Kalorien reduzierten Biere stellen vor allem für den Sportler, den Autofahrer und den figurbewussten Konsumenten eine Alternative zum herkömmlichen Weizenbier dar. Dass das Leichte Weizen den Geschmack der Biertrinker offensichtlich getroffen hat, belegen die Ausstoßzahlen: Mit einem Ausstoßanteil von 1,2% liegen die leichten Weizenbiere deutlich oberhalb derjenigen Werte, die die Leichtversionen anderer Biersorten erreichen konnten. Für denjenigen, der auf Weizenbier nicht, wohl aber auf den Alkohol ganz verzichten möchte, bietet die bayerische Brauwirtschaft unterdessen auch einige alkoholfreie Weizenbiere an. Doch auch wer es gerne etwas vollmundiger und alkoholhaltiger mag, wird unter Bayerns Weizenbierspezialitäten ein Bier nach seinem Geschmack finden: einige Weizenbockbier- und Weizendoppelbockbiere runden das Sortiment ab.



Biermischgetränke mit Weizen

Eine Bereicherung erfährt das Weizenbierangebot durch den Trend zu Biermischgetränken. War bis zur Harmonisierung des Biersteuergesetzes zum 1.1.1993 die Herstellung von fertigen Mischgetränken aus Bier und alkoholfreien Getränken nicht zulässig, so hat diese Gesetzesänderung den Brauereien neue Möglichkeiten eröffnet.

Der Russ als Mischgetränk aus klarer Zitronenlimonade und hellem Hefeweizen zu gleichen Teilen war schon zuvor ein beliebtes Biergartengetränk (die Mischung vor Ort durch den Wirt war natürlich auch bisher zulässig), jetzt wird es als alkoholarmes Fertigprodukt auch im Handel angeboten. Mit "Cola-Weizen" hat die Produktpalette der Mischgetränke unter Verwendung von Weizenbier eine weitere Bereicherung erfahren, nicht die letzte, wie zu vermuten ist.

Was ist der richtige Name: Weizenbier oder Weißbier?

Ursprünglich durfte aus der Bezeichnung Weißbier noch nicht auf ein Weizenbier geschlossen werden. Diese Einengung des Begriffes hat sich erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts eingebürgert. Der Begriff ·Weißbier· sagte ursprünglich über die verwendete Getreideart gar nichts aus sondern diente allein der Farbdifferenzierung. Das "Weißbier" hob sich vom sog. "Braun-", "Rot-" oder "Schwarzbier" ab. Während diese heute als "Dunkle Biere" bezeichneten Produkte jedoch früher alle aus Gerstenmalz hergestellt wurden, wurden "Weißbiere" sowohl aus Gersten- als auch aus Weizenmalz hergestellt. Lediglich in Bayern beschränkte sich die Herstellung des Weißbieres bereits früh auf die Verwendung von Weizenmalz. Erst die Ausbreitung der untergärigen Bierherstellung unter Verwendung von Gerstenmalz nach Pilsener Brauart, d.h. heller Biere, machte eine Differenzierung erforderlich. So blieb die Bezeichnung "Weißbier" den Weizenbieren vorbehalten - und zwar unabhängig von ihrer Farbe - , die Gerstenbiere wurden in helle und dunkle unterteilt.

Eine zweite gebräuchliche Herleitung des Begriffes "Weißbier" beruht auf einer besonderen Eigenschaft der zur Herstellung verwandten obergärigen Hefen. Diese nämlich steigen im Verlauf des Gärvorganges an die Oberfläche des Gärgefäßes (deswegen bezeichnet man diese Hefen auch als "obergärig" im Gegensatz zu den "untergärigen" Hefen, die auf den Bottich des Gärgefäßes absinken) und bilden dort eine dicke weiße Haube. Auch diese weißen Hauben aus Hefezellen wird verantwortlich gemacht für die Bezeichnung "Weißbier". So sind Weizenbier und Weißbier heute Synonyme. Insofern ist es auch keineswegs ein Widerspruch, wenn man heute ein dunkles Hefeweizenbier gelegentlich als "Schwarze Weiße" bezeichnet.

Nicht verwechselt werden darf das bayerische Weißbier mit der Berliner Bierspezialität "Berliner Weiße". Bei dieser handelt es sich um ein sog. Schankbier, d.h. der Stammwürzegehalt als Summe der gelösten Stoffe in der Würze vor der Vergärung liegt zwischen 7 und 8%, das aufgrund der darin enthaltenen Milchsäure einen leicht säuerlichen Geschmack hat. Es wird aus einem Gemisch aus Gersten- und Weizenmalz in Berlin gebraut und auch fast ausschließlich dort getrunken. Unter Beigabe von Waldmeister- oder Himbeersirup ist sie ein leichtes und erfrischendes Sommergetränk.

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